Was ist Glück?

Im Medium Sprache nimmt das Wort "Glück" einen breiten Raum ein, insbesondere im Zusammenhang mit Wünschen und Hoffnungen der Menschen. "Viel Glück" so sagen wir gerne und wünschen uns damit ein gutes Gelingen. Wir wünschen uns am Jahresanfang ein glückliches neues Jahr. Wir sagen "Glück gehabt", wenn uns etwas besonders gut gelungen ist. Das Wort "Glück" wird sehr häufig verwendet. Aber, so könnten wir einmal etwas grundsätzlicher fragen: Was ist eigentlich Glück? Was wollen wir genauer ausdrücken und übermitteln, wenn wir derlei Sätze – oder sind es unbedachte Floskeln? – zum Ausdruck bringen? Der Versuch "Glück" zu definieren führt uns in ähnliche Schwierigkeiten wie die Frage: Was ist "Zeit"? Zwar lässt sich im Allgemeinen sagen, dass die Menschen in der Regel nach Glück streben, doch zugleich ist offenkundig, dass die Vorstellungen vom Glück weit auseinander gehen.

In der deutschen Sprache wird der Begriff "Glück" in zwei durchaus unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht: 

"Glück" im Sinne von "Glück haben"

Diese Komponente drückt vor allem aus, dass es einem unverdient zukommt, bzw. wir es als
Geschenk einer "Schicksalsmacht
" empfangen. Hier wird eine passive Form beschrieben.

"Glück" im Sinne von "Glück empfinden"

Diese Komponente impliziert, dass wir mit unseren Empfindungen einen gewissen Einfluss nehmen können und somit auch aktiv etwas dazu beitragen können, Glück zu erfahren.

Verlassen wir den deutschen Sprachraum, dann ergeben sich interessante Differenzierungen in anderen Sprachgruppen. In der englischen Sprache begegnen wir z. B. den Ausdrücken "luck" (zufälliges Glück), "pleasure" (erlebtes, kurzzeitiges Glück) und "happiness" (erlebtes, anhaltendes Glück). In der alten und nicht mehr Veränderungen unterliegenden lateinischen Sprache finden wir: "fortuna" (Glück haben), "felicitas" (Glücksmoment erleben) und "beatitudo" (dauerhaft im Glück leben).

"Glück"im Sinne eines günstigen Schicksals heisst, durch einen (glücklichen) Zufall begünstigt zu sein (englisch: luck). So ist beispielsweise ein Lottogewinn ein glückliches Ereignis; ob man mit dem vielen Geld dann aber auch wirklich glücklich wird, ist eine ganz andere Frage. Oder: Wenn wir "Glück haben", ergattern wir in letzter Minute eine Karte für eine besondere Theateraufführung oder erspähen rechtzeitig eine gerade frei werdende Park lücke  - und das
mitten im Weihnachtstrubel in der Innerstadt.

Das Empfinden von Glück ist sowohl ein Gefühl, als auch ein Zustand, in dem sich eine Person befindet und der sich durch ein allgemeines, oft unbewusstes Wohlbefinden auszeichnet. Entscheidend dabei sind nicht die objektiven Tatsachen, sondern das subjektive Erleben der betreffenden Person. Glücksforscher verwenden deshalb statt des Begriffes "Glück" eher den Begriff "Subjektives Wohlbefinden".

"Glück empfinden" hat zwei mögliche Varianten:

"Glück empfinden" können wir während einer kurzen Zeitdauer (wir erleben einen Glückmoment, englisch: pleasure): Situationen, die angenehm empfunden werden, z.B. etwas Gutes essen und / oder mit Freunden zusammen sein. Meist bemerken wir solche Glücksmomente situativ gar nicht bewusst – oft ordnen wir sie erst im Nachhinein als solche ein und entdecken in der Reflexion, dass und wann wir glücklich waren.

"Glück empfinden" kann aber auch ein dauerhaftes Gefühl sein (im Glück leben, englisch: happiness), Hier werden vielmehr Glücksmomente als erlebtes Glück eingeordnet, weil Menschen allgemein mit dem Leben zufrieden sind und insbesondere Situationen bewusst
durchleben. Eine nicht singuläre, sondern eingeübte Haltung der Reflexion erbringt dieses Resultat.

Anstelle des Begriffes "Glück" (im Sinne von "Glück empfinden") oder im Zusammenhang damit, werden auch oft auch andere Begriffe gebraucht, die durchaus ein gewisses Reflexionsvermögen voraussetzen. Nehmen wir die folgenden Begriffe zur Verdeutlichung:

Zufriedenheit, Flow,
angenehmes / gelingendes / gutes Leben,
Freude, Lust, Spass

Mit Ausnahme von "Lust" und "Spass", die mehr eine momentbezogene Form des Empfindens ausdrücken, verheissen die übrigen Begriffe eine lang anhaltende und stabile Form der Erfahrung von "Glück", die auch mit einem eigenen Anteil, sprich einer eigenen Disposition dafür einhergeht.

Die Vielschichtigkeit des Begriffs "Glück" (im Sinne von "Glück empfinden") zeigt sich nicht zuletzt darin, dass ganz unterschiedliche Wissenschaften und Fachrichtungen sich mit seiner Klärung beschäftigen. Vor allem Psychologen, Mediziner, Neurobiologen und Philosophen, aber
auch andere wie Religionswissenschaftler, Verhaltensforscher oder Gerontologen widmen sich
dem Thema und versuchen, den Begriff "Glück" zu definieren oder das Phänomen zu beschreiben. 

Allen, die der Frage nachgehen "Was ist Glück?" möchte ich das Buch "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück" von Francois Lelord empfehlen. Mit einer kurzen Zusammenfassung des Inhaltes möchte ich aufzeigen, wie "Glückssuche" auch aussehen kann.

Hector ist ein junger Psychiater, der es versteht, den Leuten mit echtem Interesse zuzuhören. Obwohl seine kleine runde Brille intellektuelle Kraft verkündet und Hector auch ein ziemlich guter Psychiater ist, spürt er in sich eine Unzufriedenheit. Er sieht ganz genau, dass er seine Patienten nicht wirklich glücklich machen kann. Hector fragt sich: Warum sind besonders die Menschen unglücklich, die doch aufgrund ihrer Lebens- und Karriereplanung überglücklich sein müssten? Das Grübeln darüber macht ihn schließlich selbst schwermütig und er beschliesst, zu verreisen. Kurz entschlossen begibt sich Hector auf eine Weltreise in der Hoffnung, das Geheimnis des Glücks zu entdecken. Irgendwo musste das Glück oder das Geheimnis des Glücks doch wohnen.

Allen Leuten, die er unterwegs trifft, stellt er dieselbe Frage: "Sind Sie glücklich?" Hector findet eine Menge Beispiele für das Glück, sammelt eifrig die gelernten Glückslektionen und hält diese in seinem Notizbuch fest. Am Ende seiner abenteuerlichen Reise kennt Hector genau 23 Antworten und weiss, dass nichts einfacher zu finden ist als das wahre Glück.                                 

Hectors Reise hat mich inspiriert, einmal anders als gewöhnlich der Frage "Was bedeutet Glück für mich?" nachzugehen. In
einem mir erst kürzlich geschenkten Buch (was für ein glücklicher Zufall!) hielt ich verschiedene Momente, in denen ich mich
glücklich fühlte, fest.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was bedeutet Glück für Sie?